20. August 2021

(am Versagen versagt) Tag vor sechs Jahren, an dem wir beschlossen in drei Jahren hinternfort von unserer Kunst gelebt zu haben. Flatu verfernmündlichte Lenz und hatte ihm den Entschluss der Nacht mitgeteilt. Da dachte Lenz natürlich, dass das genau richtig gewesen sein sollte und dass das gefälligst auch so gemacht sein wird. Flatu war mit seiner Leistung sehr zufrieden, sotz sich hin und donk erstmal scharf nach. Lenz tat es ihm gleich. Beide schwuggen eine Weile in ihrer entgrenzten Genialität. Danach waren sie selbstredend und mit Anlauf gespannt auf den Tag vor drei Jahren gewesen, an dem sie hinternfort von ihrer Kunst gelebt haben sollten.

Home of Waver Bof.

Letztlich war er nur abgetaucht und niemals ganz verschwunden. Waver Bof. lebt und ist aktiv. Seinen Unterschlupf hat er weithin sichtbar, doch für die meisten nicht wahrzunehmen, ausgewiesen. Bravo! La petite graine abricotée kann Dir nichts anhaben, tapferer Freund. Du thronst unabhängig über uns und wir tragen diese Botschaft nun in unseren Herzen. Du bist immer bei uns!

Entenentengehen

Enten mit einer gewissen Suchfunktion begehen eine feuchte Fahrradstraße. Lenz sitzt da und wackelt mit dem Kopf. Federtiere sind die Goldfüllung im Zahnschmelz des urbanen Raums, denkt er und stützt sich auf den geerbten Gehstock seines Urgroßvaters. Wie ein ausgebeulter Sack wölbt sich die Zeit um die Köpfe der Passanten. Die Enten gucken und heben wieder ab. Der Grund für die Landung bleibt im Dunkeln. Wir orientieren uns nach Westen.

Botschaften im öffentlichen Raum

Nachdem Waver Bof. einem ungewissen Schicksal entgegeneilt, müssen wir einen Schritt zurücktreten, um zu analysieren wie wir uns dem Phänomen auf einer abstrakteren Ebene nähern können. Kleine Aufmerksamkeiten versüßen den Tag, dass weiß schon jedes Kind. Insofern ist es folgerichtig, diese möglichst prominent zu platzieren. Was aber geschieht mit der Botschaft Jahre später, wenn Sender und ursprünglich adressierter Empfänger längst verzogen sind? Ist der erdachte Kurztext nachhaltig genug, um auch noch vielen folgenden Generationen hinternfort Sinn und Wohlgefallen zu schenken?

Ein anonymer Autor ringt nachhaltig um Aufmerksamkeit.

25. Mai [7]

Welttag des Handtuchs. Das Handtuch wurde im Original vor über drei Jahrtausenden zum ersten Mal vorgestellt, erlangte seine ganzheitliche Bedeutung aber erst 1978 in einer weitgehend unbekannten Radiosendung. Mit diesem epochemachenden Ereignis fand ein menschheitsgeschichtlicher Transformationsprozess statt, dessen Bedeutung noch nicht vollständig ausgelotet ist. Als gesichert gilt jedoch, dass dieser Prozess bis heute anhält. Jüngste Forschungen enthüllen, dass sich das auch auf mikroskopischer Ebene niederschlägt. Zart fransige Schlaufen winden sich entlang fein gewobener Borte. Das Frottee, ursprünglich im Nachbarsternensystem Proxima Centauri b entwickelt, wurde 1850 im nahen Orient entdeckt. Der britische Bankier und Handelsreisende Henry Christy fand einen großen Kasten inmitten einer kargen, unbesiedelten Landschaft. Vermutlich handelte es sich um den Teil einer Lieferung, die für einen andere Planeten bestimmt, aber „vom Laster gefallen“ war. So gelangte diese überirdische Handwerkskunst, deren Herz ein komplexer Herstellungsprozess mit mehreren Kettenfadensystemen ist, zu uns auf die Erde. Seitdem trägt die Menschheit stets Frotteehandtücher bei sich, denn ein Handtuch, sagt man, ist so ziemlich das Nützlichste, das ein Anhalter auf Weltraumreisen bei sich haben kann. Und sind wir nicht alle Weltraumreisende in unserem Raumschiff namens Sonnensystem?

Frottee in Blau. Aktuelle Makrofotografie (2021) eines Exponats aus der Sammlung Henry Christy, in der die ersten (außer)irdischen Frottees bis heute erhalten geblieben sind.

Nachrichten vom Waver Bof.

Wir wissen, dass es ihm gut geht. Waver Bof. zwitschert fein gelaunt vom Glascontainer: andere sind mit decken beschäftigt. Für uns klingt das nach Jägerlatein. Zum Jahreswechsel war das brandneue Jahrzehnt bereits angelutscht und hatte sa petite graine abricotée erkennen lassen, doch in seiner quälenden Tiefe wird das noch nicht ausgelotet worden sein. Besitzt Waver Bof. hinternfort seherische Fähigkeiten?

Am Lagerfeuer der Erwerbsarbeit wärmen

Der heutige Tag, ist der Arbeit gewidmet. Um sie zu ehren, sind alle Arbeitszwänge aufgehoben. Alle Arbeitszwänge? Nein. Die Arbeit an einem selbst, kann und darf niemals enden. Deswegen sind wir dazu eingeladen, uns im behaglichen Feuerschein der Erwerbsarbeit zu versammeln – der uns aus dem Gestern und Morgen anheimelnd anstrahlt – und dort in innerer Einkehr an uns selbst zu feilen. Ein Freund brachte das sehr schön auf den Punkt: „Wenn ich an mir selbst arbeite, geht das dann von meiner Arbeitszeit ab?“