Und wieder Zustellung unerwünscht

Nachdem Lenz sich vor einiger Zeit und im Siedlungsraum tümmelnd über eine folgenschwere Botschaft beugte, traf er nun zum zweiten Mal auf etwas ganz und gar Unheilverheißendes, das unschuldig auf der Außenseite einer Haustür montiert war:

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Es tut uns sehr leid.
Wir haben eine gefährliche
fleischfressende Kröte hier, die alle anfällt,
die Werbung einwerfen. AUCH politische
und religiöse Werbung. Wir haben das vor
dem Kauf wirklich nicht gewusst!
Wir können die Kröte aus
Artenschutzgründen nicht zurückgeben
oder einsperren.
Versuchen Sie einfach KEINERLEI
WERBUNG
einzuwerfen. Auch wenn es
schwerfällt, aber:
Es ist zu Ihrem eigenen Schutz!
Und wir sind es leid, leblose Körper
wegzuräumen. Die Biotonne ist ständig
überfüllt. Danke für Ihre Kooperation!

Darunter ein Bild von einem sehr wütenden Marder.

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Anmerkung des Lenz:

Er schlich nach der Lektüre auf leisen Sohlen davon.

Be dead Moschusbock

Die Realität tritt immer noch mal nach, denkt Lenz in diesen Tagen. Doch da findet er den Moschusbock (Aromia moschata) und erfreut sich am schillernden Glanz: stimmige Gesamtkomposition. Nur wohin führt der Weg?

Torfbrot und Rehbrett erkennen an – Das Universum

Torben und René haben sich in die unendlichen Weiten des Podiversums vorgewagt und Gold gefunden. Ruth Grützbauch und Florian Freistetter plaudern von Österreich aus über Astronomie. Das gefällt. In Folge DU046 wird über FCKW geredet, das außerirdische Ozonlöcher in die Atmosphäre anderer Planeten fräst. FCKW kann nur vorkommen, wenn intelligentes Leben wirkt, denn spontan entsteht diese Verbindungen nach heutigem Wissen nicht im Universum. Je höher die Konzentration in der Atmosphäre, desto leichter wäre der Nachweis. Leider ist eine hohe Konzentration auch schlecht für die entsprechende intelligente Lebensform. So sind Grützbauch und Freistetter kurz ratlos und es entspannt sich folgender Dialog:

Freistetter: Oder es ist halt eine Zivilisation, die noch größere Trotteln sind als wir.
Grützbauch: Man hält es kaum für möglich, aber ja: es ist in der Tat eine Option. Ja.
Freistetter: Wir sind ja von der Science fiction drauf gedrillt die Aliens immer so als Überwesen zu sehen, die alle viel schlauer und besser sind als wir, aber das können ja genauso Trotteln sein. Ja, also vielleicht sind wir … vielleicht sind wir die Gscheitesten im Unviersum.
Grützbauch: Ah geh! Sag sowas nicht (Gelächter). Welch tragischer Gedanke.
Freistetter: Kammas ausschließen?
Grützbauch: Naa, natürlich nicht, aber will mas glauben?

Joghurt (10% Fettanteil) – aufgeräumt

Diese großartige Performance aus dem fernen Frankreich trägt den Titel „Allegorie auf Europa“. Der Urheber (Jean-Pierre Meunier) möchte es hinternfort schenken.

Dritter NPK

Zweiundzwanzigster Februar Zweitausendzweiunzwanzig bzw. 22.02.2022!

Ein besonders gelungener NPK steht dieses Jahr an. Nachdem wir schon die beiden vergangenen Jahre ordentlich feiern durften, können wir dieses Jahr ein drittes Mal rücksichtslos jubilieren und frohlocken. Aller guten Dinge sind drei, sagt man so schön. Damit trifft der Nationale Palindromische Kalendertag den Nagel auf den Kopf. Die symmetrophile Contenance zu bewahren, dürfte heuer jedem Hochpräzisiker und jeder Hochpräzisikerin äußerst schwer fallen. Wir alle sind – nicht zuletzt vor unserem eigenen Gewissen – mindestens dazu verpflichtet laut auszurufen: „Vorwärts immer, rückwärts immer!“ Was für eine Freude! Was für eine Wohltat! Was für ein unendlicher Glanz!

Auch das Ausland begrüßt diese Entwicklung mittlerweile vorbehaltlos in allen Landesgrenzen. Selbst die südlichen Nachbarn mit den weichen Käsekugeln haben sich mit dem Ritual abgefunden. Der wiedergewählte Staatspräsident Mattarella meint dazu knapp: „So sind sie eben.“ Schade nur, dass es danach eine Weile dauern wird, bis wir wieder mit langem Anlauf ausrasten dürfen: es wird der dritte März 2030 sein! Nicht wenige werden sich bis dahin vermutlich ihrer Alterskrassheit ergeben haben. Das ficht uns nicht an! Denn auch dann wird die tief verankerte Symmetrophilie unsere stolzen Herzen zum Überlaufen bringen. Wir können nicht anders.

In Freude, Vorfreude und in diesem Sinne,

Hinternfort

Die Taube im Wandhydrant

Lenz durchstreift die Straßen der Stadt ausgreifenden Schrittes. Er saugt die herrlich kalte Neujahrsluft tief in die Lunge ein, die Nasenflügel weit gespreizt. Es ist eine Erkundungtour in aufgeräumter Stimmung und bald schon kommt Lenz auf dem Dach eines Parkhauses zum stehen. Es dient in Pandemiezeiten als luftiger Treffpunkt für unruhige Geister. In einem ausgeräumten Wandhydranten hat sich ein Künstler namens Vogel verewigt. Lenz weiß: Waver Bof. wohnt nicht weit, ob er mit Vogel unter einer Decke steckt? Beide treiben jedenfalls existentielle Fragen um.

19. November [8]

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Weiter geht der wilde Ritt auf den Toilettenschüsseln dieses Erdenballs. Und weiter geht auch die Missachtung dieses höchsten Kulturgutes. Jean-Pierre Meunier hat seiner Meinung dazu Luft gemacht und schickt uns das Lichtbild einer Installation, die Bedeutung und Gewaltigkeit dieser unglaublichen Kulturleistung verdeutlichen soll. Kniet nieder! Werft euch in den Staub aus Haaren und Hautschuppen und verharrt in Ehrfurcht vor der größten aller Erfinungen: dem Wasserklosett.

Nach Jean-Pierre Meunier sollten wir uns nur aus dieser Perspektive und in Demut jedem Klosett nähern.

Die entlegenen Abenteuer des unfassbaren Bohnenlanghart – Folge 373: Der Rübenkörper Gottes

Rübenkörper Joe befriedet den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Rettichbreitzart und Bohnenlanghart – ein Tomatenwestern

Bohnenlanghart sah sich gehetzt um. Noch immer haftete der Geruch von Verfolgern an ihm und er konnte ihn auch nicht abschütteln. Warum nur hatte er sich damals auf diese kurze Liaison mit Rettichbreitzart eingelassen? Sie würde ihn solange jagen, bis er krepiert im Staub der Landstraße lag. So war es bisher jedem ihrer Verflossenen ergangen und so würde auch er enden. Geduckt drehte Bohnenlanghart sich um, da blickte er direkt in den Lauf eines Colt-Burgess-Unterhebelrepetierers. „Jetzt hat sie mich!“, dachte er und: „Ungewöhnlich, normalerweise verwendet sie Le Mat-Hinterladerrevolver für Stiftzünderpatronen.“ Da hörte er auch schon eine tiefe, raue, aber altvertraute Stimme: „Jetzt reicht’s mir mit euch! Jeder sieht, dass ihr wie füreinander gemacht seid. Nur ihr beide bekommt das irgendwie nicht auf die Kette. Damit soll nun Schluss sein!“ Dann spürte Bohnenlanghart wie ihm Handschellen angelegt wurden. Als er aufblickte, sah er Rübenkörper Joe – auch Rübenkörper Gottes genannt – und neben ihm die hinreißende, doch tödliche Rettichbreitzart, ebenfalls in Handschellen.