Botschaften im öffentlichen Raum

Nachdem Waver Bof. einem ungewissen Schicksal entgegeneilt, müssen wir einen Schritt zurücktreten, um zu analysieren wie wir uns dem Phänomen auf einer abstrakteren Ebene nähern können. Kleine Aufmerksamkeiten versüßen den Tag, dass weiß schon jedes Kind. Insofern ist es folgerichtig, diese möglichst prominent zu platzieren. Was aber geschieht mit der Botschaft Jahre später, wenn Sender und ursprüngliche adressierter Empfänger längst fortgezogen sind? Ist der erdachte Kurztext nachhaltig genug, um auch noch vielen folgenden Generationen hinternfort Sinn und Wohlgefallen zu schenken?

Ein anonymer Autor ringt nachhaltig um Aufmerksamkeit.

Lobgesang des F 0.1

„Ich befürchte, ich habe unlängst, versehentlich fünf übergroße Gläser Johannisbeersaftschorle gesoffen, während ich kopfüber hängend, beziehungsweise baumelnd, die üblicherweise verhüllte Straßenlaterne gegenüber beäugte, deren leicht verkrümmte Glühbirne mir aus dieesr Perspektieve auffallend hübsch erschien.“

Flatu

„I’m afraid I recently accidentally drank five oversized glasses of redcurrant juice spritzer, while hanging upside down or dangling, eyeing the usually veiled street lamp opposite, the slightly bent light bulb of which looked strikingly pretty to me from this perspective.“

Google

I’m afraid I recently accidentally drank five oversized glasses of redcurrant juice spritzer while hanging upside down, or rather dangling, the usually veiled streetlamp opposite, whose slightly bent bulb seemed remarkably pretty to me from this perspective.“

deepl

Hitherforth XVI.

Quinkle fother on thy forst
ai bronk tow nutter kwist.
Is alowonder thinner on
and scruttered in thy wrist?

Begonnst thon wobber I begust –
we boggle hither now encrypt!

No opper bwimble is that forth
but ner I kwinst therr twek.
Nor wibber hith is norgel twunn
forth jodder cropt has now begunn.

Lesen reicht nicht aus …

Die Kraft der Landstraße ist eine andere, ob einer sie geht oder im Aeroplan darüber hinfliegt. So ist auch die Kraft eines Textes eine andere, ob einer ihn liest oder abschreibt. Wer fliegt, sieht nur, wie sich die Straße durch die Landschaft schiebt, ihm rollt sie nach den gleichen Gesetzen ab wie das Terrain, das herum liegt. Nur, wer die Straße geht, erfährt von ihrer Herrschaft und wie aus eben jenem Gelände, das für den Flieger nur die aufgerollte Ebene ist, sie Fernen, Belvederes, Lichtungen, Prospekte mit jeder ihrer Wendungen so herauskommandiert, wie der Ruf des Befehlshabers Soldaten aus einer Front. So kommandiert allein der abgeschriebene Text die Seele dessen, der mit ihm beschäftigt ist, während der bloße Leser die neuen Ansichten seines Inneren nie kennenlernt, wie der Text, jene Straße durch den immer wieder sich verdichtenden inneren Urwald, sie bahnt: weil der Leser der Bewegung seines Ich im freien Luftbereich der Träumerei gehorcht, der Abschreiber sie aber kommandieren lässt. Das chinesische Bücherkopieren war daher die unvergleichliche Bürgschaft literarischer Kultur und die Abschrift ein Schlüssel zu Chinas Rätseln.

Aus: Walter Benjamin, Einbahnstraße.

Hitherforth XV.

vohShatter, it’s on!
unbrimmbeld Tusked my hearts Colossodon.
thy Monastery Flock unhumps.
so many a Bitter Revelation berunkels
thy Kin-Tree in Warden
since Swiftwatery Cliffs no coverich
at bronkal the hitherfull Jeskai Windscouts.
Disowned by my Ancestor he blimbels.
whilest Rush in Of minor a Battle begouts
in Bloodfire his Mentor gommpers hardest
for thotter Chief Of The Scale unwindsts
a witherfull sprouting Armament Corps.
wherast no Secret Plans might wonner her blisp.
so End Hostilities my margel cries.
but Forest in dwimbel modest much begoust!

Durch die Landschaft schweben

§ (1) Der in ein Flugzeug steigt, weiß nicht, was reisen ist. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck von den Begebenheiten an einem anderen Ort. Fliegen ist heute die unbequeme Vorform des Raumschlupfes.
§ (2) Der in ein Auto steigt, ahnt nicht, was reisen ist. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck von der Distanz zwischen zwei Orten. Es ist die bequeme Endform des Althergebrachten.
§ (3) Der auf ein Fahrrad steigt, schwebt durch die Landschaft. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck davon, was Distanz ist. Er weiß, was auf der Strecke lag.
§ (4) Der zu Fuß geht, weiß nicht, was Geschwindigkeit bedeutet. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck vom Wegesrand. Wenn ihm etwas Besonders auffällt, bückt er sich, um es genauer zu betrachten.

In Summe (5) Vor dem Buchdruck war der Kopist. Ein Fußgänger des Wortes. Ihm folgte der Radfahrer, ein Bücherwurm, ein regelrechter Druckblattzerkauer. Dann gebaren Fernsehen und Radio den behäbigen Bleifuß mit erhöhtem Unfallrisiko. Schließlich kam das digitale Netz. Ein einziger, weltumspannender, doch allzu oft unbehaglicher Endschlupf.