Und wieder Zustellung unerwünscht

Nachdem Lenz sich vor einiger Zeit und im Siedlungsraum tümmelnd über eine folgenschwere Botschaft beugte, traf er nun zum zweiten Mal auf etwas ganz und gar Unheilverheißendes, das unschuldig auf der Außenseite einer Haustür montiert war:

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Es tut uns sehr leid.
Wir haben eine gefährliche
fleischfressende Kröte hier, die alle anfällt,
die Werbung einwerfen. AUCH politische
und religiöse Werbung. Wir haben das vor
dem Kauf wirklich nicht gewusst!
Wir können die Kröte aus
Artenschutzgründen nicht zurückgeben
oder einsperren.
Versuchen Sie einfach KEINERLEI
WERBUNG
einzuwerfen. Auch wenn es
schwerfällt, aber:
Es ist zu Ihrem eigenen Schutz!
Und wir sind es leid, leblose Körper
wegzuräumen. Die Biotonne ist ständig
überfüllt. Danke für Ihre Kooperation!

Darunter ein Bild von einem sehr wütenden Marder.

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Anmerkung des Lenz:

Er schlich nach der Lektüre auf leisen Sohlen davon.

Be dead Moschusbock

Die Realität tritt immer noch mal nach, denkt Lenz in diesen Tagen. Doch da findet er den Moschusbock (Aromia moschata) und erfreut sich am schillernden Glanz: stimmige Gesamtkomposition. Nur wohin führt der Weg?

Joghurt (10% Fettanteil) – aufgeräumt

Diese großartige Performance aus dem fernen Frankreich trägt den Titel „Allegorie auf Europa“. Der Urheber (Jean-Pierre Meunier) möchte es hinternfort schenken.

Die Taube im Wandhydrant

Lenz durchstreift die Straßen der Stadt ausgreifenden Schrittes. Er saugt die herrlich kalte Neujahrsluft tief in die Lunge ein, die Nasenflügel weit gespreizt. Es ist eine Erkundungtour in aufgeräumter Stimmung und bald schon kommt Lenz auf dem Dach eines Parkhauses zum stehen. Es dient in Pandemiezeiten als luftiger Treffpunkt für unruhige Geister. In einem ausgeräumten Wandhydranten hat sich ein Künstler namens Vogel verewigt. Lenz weiß: Waver Bof. wohnt nicht weit, ob er mit Vogel unter einer Decke steckt? Beide treiben jedenfalls existentielle Fragen um.

Home of Waver Bof.

Letztlich war er nur abgetaucht und niemals ganz verschwunden. Waver Bof. lebt und ist aktiv. Seinen Unterschlupf hat er weithin sichtbar, doch für die meisten nicht wahrzunehmen, ausgewiesen. Bravo! La petite graine abricotée kann Dir nichts anhaben, tapferer Freund. Du thronst unabhängig über uns und wir tragen diese Botschaft nun in unseren Herzen. Du bist immer bei uns!

25. Mai [7]

Welttag des Handtuchs. Das Handtuch wurde im Original vor über drei Jahrtausenden zum ersten Mal vorgestellt, erlangte seine ganzheitliche Bedeutung aber erst 1978 in einer weitgehend unbekannten Radiosendung. Mit diesem epochemachenden Ereignis fand ein menschheitsgeschichtlicher Transformationsprozess statt, dessen Bedeutung noch nicht vollständig ausgelotet ist. Als gesichert gilt jedoch, dass dieser Prozess bis heute anhält. Jüngste Forschungen enthüllen, dass sich das auch auf mikroskopischer Ebene niederschlägt. Zart fransige Schlaufen winden sich entlang fein gewobener Borte. Das Frottee, ursprünglich im Nachbarsternensystem Proxima Centauri b entwickelt, wurde 1850 im nahen Orient entdeckt. Der britische Bankier und Handelsreisende Henry Christy fand einen großen Kasten inmitten einer kargen, unbesiedelten Landschaft. Vermutlich handelte es sich um den Teil einer Lieferung, die für einen andere Planeten bestimmt, aber „vom Laster gefallen“ war. So gelangte diese überirdische Handwerkskunst, deren Herz ein komplexer Herstellungsprozess mit mehreren Kettenfadensystemen ist, zu uns auf die Erde. Seitdem trägt die Menschheit stets Frotteehandtücher bei sich, denn ein Handtuch, sagt man, ist so ziemlich das Nützlichste, das ein Anhalter auf Weltraumreisen bei sich haben kann. Und sind wir nicht alle Weltraumreisende in unserem Raumschiff namens Sonnensystem?

Frottee in Blau. Aktuelle Makrofotografie (2021) eines Exponats aus der Sammlung Henry Christy, in der die ersten (außer)irdischen Frottees bis heute erhalten geblieben sind.

Nachrichten vom Waver Bof.

Wir wissen, dass es ihm gut geht. Waver Bof. zwitschert fein gelaunt vom Glascontainer: andere sind mit decken beschäftigt. Für uns klingt das nach Jägerlatein. Zum Jahreswechsel war das brandneue Jahrzehnt bereits angelutscht und hatte sa petite graine abricotée erkennen lassen, doch in seiner quälenden Tiefe wird das noch nicht ausgelotet worden sein. Besitzt Waver Bof. hinternfort seherische Fähigkeiten?

Am Lagerfeuer der Erwerbsarbeit wärmen

Der heutige Tag, ist der Arbeit gewidmet. Um sie zu ehren, sind alle Arbeitszwänge aufgehoben. Alle Arbeitszwänge? Nein. Die Arbeit an einem selbst, kann und darf niemals enden. Deswegen sind wir dazu eingeladen, uns im behaglichen Feuerschein der Erwerbsarbeit zu versammeln – der uns aus dem Gestern und Morgen anheimelnd anstrahlt – und dort in innerer Einkehr an uns selbst zu feilen. Ein Freund brachte das sehr schön auf den Punkt: „Wenn ich an mir selbst arbeite, geht das dann von meiner Arbeitszeit ab?“