25. Mai [7]

Welttag des Handtuchs. Das Handtuch wurde im Original vor über drei Jahrtausenden zum ersten Mal vorgestellt, erlangte seine ganzheitliche Bedeutung aber erst 1978 in einer weitgehend unbekannten Radiosendung. Mit diesem epochemachenden Ereignis fand ein menschheitsgeschichtlicher Transformationsprozess statt, dessen Bedeutung noch nicht vollständig ausgelotet ist. Als gesichert gilt jedoch, dass dieser Prozess bis heute anhält. Jüngste Forschungen enthüllen, dass sich das auch auf mikroskopischer Ebene niederschlägt. Zart fransige Schlaufen winden sich entlang fein gewobener Borte. Das Frottee, ursprünglich im Nachbarsternensystem Proxima Centauri b entwickelt, wurde 1850 im nahen Orient entdeckt. Der britische Bankier und Handelsreisende Henry Christy fand einen großen Kasten inmitten einer kargen, unbesiedelten Landschaft. Vermutlich handelte es sich um den Teil einer Lieferung, die für einen andere Planeten bestimmt, aber „vom Laster gefallen“ war. So gelangte diese überirdische Handwerkskunst, deren Herz ein komplexer Herstellungsprozess mit mehreren Kettenfadensystemen ist, zu uns auf die Erde. Seitdem trägt die Menschheit stets Frotteehandtücher bei sich, denn ein Handtuch, sagt man, ist so ziemlich das Nützlichste, das ein Anhalter auf Weltraumreisen bei sich haben kann. Und sind wir nicht alle Weltraumreisende in unserem Raumschiff namens Sonnensystem?

Frottee in Blau. Aktuelle Makrofotografie (2021) eines Exponats aus der Sammlung Henry Christy, in der die ersten (außer)irdischen Frottees bis heute erhalten geblieben sind.

Nachrichten vom Waver Bof.

Wir wissen, dass es ihm gut geht. Waver Bof. zwitschert fein gelaunt vom Glascontainer: andere sind mit decken beschäftigt. Für uns klingt das nach Jägerlatein. Zum Jahreswechsel war das brandneue Jahrzehnt bereits angelutscht und hatte sa petite graine abricotée erkennen lassen, doch in seiner quälenden Tiefe wird das noch nicht ausgelotet worden sein. Besitzt Waver Bof. hinternfort seherische Fähigkeiten?

Am Lagerfeuer der Erwerbsarbeit wärmen

Der heutige Tag, ist der Arbeit gewidmet. Um sie zu ehren, sind alle Arbeitszwänge aufgehoben. Alle Arbeitszwänge? Nein. Die Arbeit an einem selbst, kann und darf niemals enden. Deswegen sind wir dazu eingeladen, uns im behaglichen Feuerschein der Erwerbsarbeit zu versammeln – der uns aus dem Gestern und Morgen anheimelnd anstrahlt – und dort in innerer Einkehr an uns selbst zu feilen. Ein Freund brachte das sehr schön auf den Punkt: „Wenn ich an mir selbst arbeite, geht das dann von meiner Arbeitszeit ab?“

Zweiter NPK

Einundzwanzigster Februar Zweitausendeinunzwanzig bzw. 12.02.2021!

Mit Jubelgesang erheben wir uns aus den Tiefen der Schneeverwehungen. „N-P-K-2, N-P-K-2!“ schallt es von den Hügelkuppen herab. Die Menschen lachen und tanzen. Große Torten werden herumgereicht. Seit der Einführung des Nationalen Palindromischen Kalendertags durch den Bundespräsidenten, erfreut sich dieser Feiertag zunehmender Beliebtheit in der Bevölkerung. Eine Einrichtung, die man mittlerweile auch im europäischen Ausland schätzt und von der sogar schon in der New York Times berichtet wurde. In Großbritannien erwägt man bereits bei Hofe, wie sich aus dieser feinen, teutonischen Sitte eine eigene Tradition für das Vereinigte Königreich brauen lässt. Selbst in Down Under bewundern sie die seit jeher hochgeschätzten Deutschen. Nur unsere südlichen Nachbarn mit den vielen Expresso rümpfen die Nase über so viel Ausgelassenheit in germanischen Gefilden. „Das sei man von den generell eher unterkühlten Nachbarn einfach nicht gewohnt“, lässt sich Staatspräsident Matarella vernehmen. Und: „Man prüfe noch, was man von dieser unerwartet reichhaltigen Entwicklung zu halten hat.“

Beim Jahreswechsel übersehen

Vom Waver Bof. unbemerkt, wechseln wir in ein neues Jahr. Es gab ein paar Raketen, doch die vielerorts praktizierte Silvesterekstase, hervorgerufen durch so manchen heißen Hirsch, blieb dieses Jahr aus. Kalter Niesel setzt ein. Eben nimmt man das einzige Grünglas aus der Tüte. Es war Olivenöl erstklassiger Güte. Nun kommt die Sprache auf braun. Man erkennt nicht, was dieses Jahr sonst noch bereithalten wird und fragt sich: Lebt Waver Bof. noch?

Walter

Walter (1998)

Entsetzen! Wer hat Walter so unsachgemäß entsorgt? Ein Junge ohne Hausaufgaben? Ein schmutziger Nihilist vor der Geldübergabe?

Auch in dieser Situation bleibt Walter ruhig. Das kann ihn nicht erschüttern. Walter kümmert sich um sich, um uns und um andere. Er bewahrt Haltung und verstreut Asche. Man sollte eines niemals vergessen: nur Walter kennt den richtigen Weg.

Die Erstbesteigung von St. Dorde

Die Pilzlinge von 2014 waren für viele hinternfort eine kleine Sensation, die auch dazu beitrug, des einen oder anderen Herz zu erwärmen. Nun hat sich herausgestellt, dass diese wanderfreudigen Winzlinge ebenfalls in den Innenraum ausgewichen sind, um dort der Isolation und gesellschaftlichen Tristesse mit ausschweifender Erkundungsfreude zu begegnen. Die Pandemie macht wirklich vor gar nichts halt …