Und wieder Zustellung unerwünscht

Nachdem Lenz sich vor einiger Zeit und im Siedlungsraum tümmelnd über eine folgenschwere Botschaft beugte, traf er nun zum zweiten Mal auf etwas ganz und gar Unheilverheißendes, das unschuldig auf der Außenseite einer Haustür montiert war:

_______________________________________________________

Es tut uns sehr leid.
Wir haben eine gefährliche
fleischfressende Kröte hier, die alle anfällt,
die Werbung einwerfen. AUCH politische
und religiöse Werbung. Wir haben das vor
dem Kauf wirklich nicht gewusst!
Wir können die Kröte aus
Artenschutzgründen nicht zurückgeben
oder einsperren.
Versuchen Sie einfach KEINERLEI
WERBUNG
einzuwerfen. Auch wenn es
schwerfällt, aber:
Es ist zu Ihrem eigenen Schutz!
Und wir sind es leid, leblose Körper
wegzuräumen. Die Biotonne ist ständig
überfüllt. Danke für Ihre Kooperation!

Darunter ein Bild von einem sehr wütenden Marder.

_______________________________________________________

Anmerkung des Lenz:

Er schlich nach der Lektüre auf leisen Sohlen davon.

Joghurt (10% Fettanteil) – aufgeräumt

Diese großartige Performance aus dem fernen Frankreich trägt den Titel „Allegorie auf Europa“. Der Urheber (Jean-Pierre Meunier) möchte es hinternfort schenken.

20. August 2021

(am Versagen versagt) Tag vor sechs Jahren, an dem wir beschlossen in drei Jahren hinternfort von unserer Kunst gelebt zu haben. Flatu verfernmündlichte Lenz und hatte ihm den Entschluss der Nacht mitgeteilt. Da dachte Lenz natürlich, dass das genau richtig gewesen sein sollte und dass das gefälligst auch so gemacht sein wird. Flatu war mit seiner Leistung sehr zufrieden, sotz sich hin und donk erstmal scharf nach. Lenz tat es ihm gleich. Beide schwuggen eine Weile in ihrer entgrenzten Genialität. Danach waren sie selbstredend und mit Anlauf gespannt auf den Tag vor drei Jahren gewesen, an dem sie hinternfort von ihrer Kunst gelebt haben sollten.

25. Mai [7]

Welttag des Handtuchs. Das Handtuch wurde im Original vor über drei Jahrtausenden zum ersten Mal vorgestellt, erlangte seine ganzheitliche Bedeutung aber erst 1978 in einer weitgehend unbekannten Radiosendung. Mit diesem epochemachenden Ereignis fand ein menschheitsgeschichtlicher Transformationsprozess statt, dessen Bedeutung noch nicht vollständig ausgelotet ist. Als gesichert gilt jedoch, dass dieser Prozess bis heute anhält. Jüngste Forschungen enthüllen, dass sich das auch auf mikroskopischer Ebene niederschlägt. Zart fransige Schlaufen winden sich entlang fein gewobener Borte. Das Frottee, ursprünglich im Nachbarsternensystem Proxima Centauri b entwickelt, wurde 1850 im nahen Orient entdeckt. Der britische Bankier und Handelsreisende Henry Christy fand einen großen Kasten inmitten einer kargen, unbesiedelten Landschaft. Vermutlich handelte es sich um den Teil einer Lieferung, die für einen andere Planeten bestimmt, aber „vom Laster gefallen“ war. So gelangte diese überirdische Handwerkskunst, deren Herz ein komplexer Herstellungsprozess mit mehreren Kettenfadensystemen ist, zu uns auf die Erde. Seitdem trägt die Menschheit stets Frotteehandtücher bei sich, denn ein Handtuch, sagt man, ist so ziemlich das Nützlichste, das ein Anhalter auf Weltraumreisen bei sich haben kann. Und sind wir nicht alle Weltraumreisende in unserem Raumschiff namens Sonnensystem?

Frottee in Blau. Aktuelle Makrofotografie (2021) eines Exponats aus der Sammlung Henry Christy, in der die ersten (außer)irdischen Frottees bis heute erhalten geblieben sind.

Wenn der Nachbar sein gesamtes Staatsgebiet abriegelt

Hinternfort erklärt sich selbst zum Hilfsanker in Zeiten erblühender Sperrzonen. Sollten wir in naher Zukunft ebenfalls in unseren Behausungen auf uns selbst zurückgeworfen sein, öffnet sich das weite Internet für vielfältige Betrachtungen und fruchtbarster intellektueller Austausch wird rasch um sich greifen. Eine Tsunami gegenseitige Wertschätzung wird digital durch die globalen Wohnzimmer schwappen und Hass und Häme fortspülen. Die durch Quarantäne entkörperlichte Gemeinschaft wird sich als eins begreifen lernen. Freut Euch auf den Sommer, wenn wir allesamt wieder über saftig bunte Blumenwiesen tanzen können.

Nationaler palindromischer Kalendertag (NPK)

Dieses Wochenende ist es soweit, in Deutschland darf gefeiert werden. Es ist der Nationale Palindromische Kalendertag, der uns am Sonntag – so wir denn wollen – in einen wilden Freudentaumel stürzen kann. Was ist so besonderes an diesem Tag, wird sich der kundige Hinternfortler fragen. Es ist der 2. Februar 2020 bzw. der 02.02.2020. Nun lese man dieses Datum rückwärts: 0202.20.20. Sapperlot! Forwärts und rückwärz gleich! Das darf man gerne feiern (aber nur in Deutschland).

Hiermit verkündet Hinternfort, dass palindromische Kalendertage (PK) zu nationalen Feiertagen erklärt werden. Der PK steht in seiner formvollendeten Symmetrie für die Ordnungsliebe, die der Seele des Deutschen stets innewohnt und sie zärtlich in all ihren Spielarten durchwirkt und für die das deutsche Volk weltweit geachtet und geschätzt wird. Insofern ist es nur folgerichtig, wenn der PK zum nationalen Feiertag erhoben wird und zwar zum außerordentlichen und mit allem Tamtam.

Übrigens! Dank wochenlanger Recherche und eines kleinen R-Programms (weiter unten), hat Hinternfort herausgefunden, dass der letzte Nationale Palindromische Kalendertag bereits einige Jahre zurückliegt. Es war der 21.02.2012. Den nächsten PK können wir dann schon für den 12.02.2021 ankündigen, gefolgt vom 22.02.2022. Danach ist allerdings bis zum 03.02.2030 erstmal wieder Ruhe im Karton. Leider, leider …

19. November [6]

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Trotz unser zur Nebensächlichkeit verkommenen Beziehung zum feinsten Gut der Hyperpostmoderne, ist es unsere oberste Pflicht heute wieder innezuhalten und uns zu fragen wie eine Welt ohne ein solches Kämmerlein zur Verrichtung der Notdurft und zur Hingabe an die selbsversunkene Körperhygiene aussieht. Menschen, denen es an eben jenem Kämmerlein mangelt, geben stets diesen Missstand als das am dringlichsten zu behebende Problem an. Ficht uns das an? Nicht? Das sollte es! Und so versuchen wir uns an diesem unaufgeregten Tag im November der wundersamen Meisterleistung bewusst zu werden, die uns dieses Leben in all ihren Annehmlichkeiten jeden Tag auf so abnorme Art und Weise erleichtern hilft. Und wir versuchen uns diesem grenzenlosen Staunen über die Schönheit der Welt in der Zahnpastablase zu nähern. Denn gerade dort würden wir ebenso wenig etwas Besonderes vermuten, wo es doch just da vor unser aller Augen liegt und in seiner zarten Vergänglichkeit dem Alltagsleben so viel Beständigkeit verleiht. Das stille Örtchen ist der Fuß, auf dem die globale Zivilisation weit ausgreifend durch die Raumzeit schreitet.

Die Schönheit der Welt in der Zahnpastablase.