Welttag des Handtuchs. Zwei Dinge zu Beginn: zum 25sten mal wird dieser Feiertag nun weltweit begangen und vor zehn Jahren konnte man ihn zum ersten Mal gemeinsam mit Hinternfort zelebrieren. Grund genug zum übertriebenen Abfeiern. Und wie könnte man das besser als mit einer Abschweifung! Wir blicken hinaus, über den Tellerrand der flauschigen Handtuchkante. Und wir sehen ein dem Handtuch zum verwechseln ähnliches Ding: flach, gemustert, stofflich … was mag das sein?

Dieses griffige Textil, aus Halbleinen oder Baumwolle gefertig, heißt Grubentuch und wird in einer Einheitsgröße von 100 cm x 50 cm hergestellt. Sein markantes blau-graues oder schwarz-graues Karomuster hilft dabei, etwaige Verschmutzung möglichst wirkmächtig zu verschleiern. Denn dort, wo das Grubentuch vor allem zum Einsatz kam, war das geboten. Das Grubentuch existierte über viele Jahrzehnte hinweg als treuer Begleiter des Bergmanns und stieg mit ihm morgens hinab und abends wieder hinauf. Zu Beginn der Schicht waren die Mahlzeiten in es eingewickelt, denn der dicht gewebte Stoff verhinderte das Eindringen von Kohlestaub und bot somit Schutz vor unschönen Überraschungen. Im Laufe des Tages dann und nach Verzehr der Mahlzeiten, wurde mit dem Tuch Schweiß und Kohlestaub aus dem Gesicht entfernt. Schließlich, zu Schichtende, konnte es dann dem Zwecke zugeführt werden, das es mit artverwandtem Textil teilt. Es wurde zum Abtrocknen verwendet. So war das früher.
Im Laufe der Jahre nun hat sich dieses erstaunliche Textil noch an anderer Stelle bewährt. Im Gastrogewerbe wird es aufgrund seiner Robustheit und schmutzverschleiernden Eigenschaften geschätzt und ist dort kaum noch wegzudenken. Da wir strammen Schrittes aus dem Zeitalter fossiler Energieträger hinausmarschieren und der Beruf des Bergmanns auf absehbare Zeit verschwinden dürfte, kann sich das Grubentuch an anderer Stelle verdingen. Ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten, das uns als Rudiment erhalten geblieben ist. So rufen wir ihm zu: Glück auf! und herzlichen Glückwunsch zu 25 x Handtuchtag!
Beiträge zum Handtuchtag aus dem vergangenen Jahrzehnt:
Kükentuch der Art Mantelum feroculus, der halbwilden Urform des Handtuchs
Toter Wal im Mangrovenwald: War es Zufall oder die Herz aus Gold?
Frottee in Blau. Wie dieses Textil von Proxima Centauri b zu uns kam
