19. November [9]

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Die moderne Baderzeugung findet in atemberaubendem Tempo und mit ausgefeilten Hilfsmitteln statt. Während in früheren Jahrhunderten die Fliesen zum Teil noch mit reiner Spucke an die Wand geklebt wurden, ist eine Nasszelle von heute in einem Dutzend Arbeitstagen fertiggestellt und dann mindestens für die folgenden 25 Jahre gebrauchsfähig. Ein regelrechtes Wunder, dass Generationen vor uns in Verzückung gestürzt hätte. Umso bedauerlicher ist die Untertoilettisierung, die in Teilen unserer Welt bis heute vorherrscht. Dabei wären kleine, feine Nasszellen auch mit einem schmalen Geldbeutel zu realisieren. Hilfsprogramme der reichen Nationen, sollten sich darauf konzentrieren allen Menschen Sanitäranlagen zu verschaffen, der weltweite wirtschaftliche Aufschwung wäre hinternfort garantiert!

Moderne Baderzeugung

Zwei von 8 Milliarden

Die Vereinten Nationen teilen Flatu und Lenz mit, dass sie ab heute zwei von 8 Milliarden auf der Erde sind. Mit stolz geschwellter Brust klopfen sie sich gegenseitig auf die Schultern und versichern sich bestimmt, dass sie jeweils ein Viermilliardstel der Menschheit repräsentieren. Das finden sie ganz schön ordentlich und zugegebenermaßen auch sehr wenig. Da müsste man mal darüber nachdenken, wie wenig Menschheit man eigentlich ist. Trotzdem sollte jeder einzelne Teil dieser riesigen Menge mit dem ganzen Rest doch was Vernünftiges anfangen können? Mit so viel Menschheit … denken sich Flatu und Lenz und nehmen jeder eine Tasse Tee für sich. Schließlich ist es nicht schlecht sich erst einmal hinzusetzen und sich in Ruhe zu vergegenwärtigen, dass niemand auch nur im geringsten erfassen kann, was 8 Milliarden Gesamtmenge eigentlich bedeutet. Das ist einfach unvorstellbar viel, denken sich Flatu und Lenz. Einfach unvorstellbar viel. Sei es nun Menschheit oder sonst irgendetwas.

25. Mai [8]

Welttag des Handtuchs. Wie bereits berichtet, wurde das Handtuch bereits vor mehreren Tausend Jahren seinem bis heute unveränderten Zwecke zugeführt. Weniger bekannt ist, dass bereits im Alten Ägypten diesem Textil eine tragende kulturelle Funktion zukam. Wir wissen dies, weil der Privatmann und Erfinder Carelman Benteli es erst kürzlich herausgefunden hat. Er benutzte dazu eine für polyiterative Rekursionen invers konstruierten Ägyptologenschreibmaschine und machte mit ihrer Hilfe bisher undeutbare Hieroglyphen in jahrelanger Handarbeit lesbar. Dies geschah in völliger Abgeschiedenheit in einem kleinen Hotel am Rande von Paderborn. Carelman Benteli griff bei seiner Übersetzungsarbeit lediglich auf die Hilfe zweier Speiseriesen zurück, die ihn täglich bewirteten. Durch seine bahnbrechende und äußerst zeitaufwendige Forschung ist nun bekannt, dass die Pyramiden zwar kultischen Zwecken dienten, diese sich aber vor allem um die Trocknung heiliger Handtücher (so genannter Sid-el-Tuh-e) an deren Außenflanken rankten. Offenbar war die ägyptische Kultur vollkommen darauf ausgelegt Edeltücher aus feinstem und reich verziertem Gewebe zu produzieren, die zum Abtrocknen heiliger Baderiesen (so genannter Sid-um-Ra-Goz) verwendet wurden und die dann, dem heiligen Sonnengott Ra zu Ehren, auf den Außenseiten der Pyramiden getrocknet wurden (offenbar sollte das geweihte Wasser der Baderiesen zu der Gottheit aufsteigen). Sodann wurden die Tücher rituell verbrannt, um sie auf diese Weise ebenfalls Ra zuzuführen. Dieser Umstand – und das Aussterben der Baderiesen – führte dazu, dass so wenige Belege dieser absolut zentralen kultischen Aspekte der altägyptischen Kultur erhalten geblieben sind. Nun kennen wir aber diese Zusammenhänge dank der fantastischen Arbeit von Carelmann Benteli und seiner Ägyptologenschreibmaschine.

Aus: Katalog erstaunlicher Dingelinge von Carelman Benteli.

Ist das Phänomen der Urban Towel Art etwa ein zartes rituelles Nachwehen der einst so mächtigen kutlischen Handlungen aus dem Vorderen Orient?

Dritter NPK

Zweiundzwanzigster Februar Zweitausendzweiunzwanzig bzw. 22.02.2022!

Ein besonders gelungener NPK steht dieses Jahr an. Nachdem wir schon die beiden vergangenen Jahre ordentlich feiern durften, können wir dieses Jahr ein drittes Mal rücksichtslos jubilieren und frohlocken. Aller guten Dinge sind drei, sagt man so schön. Damit trifft der Nationale Palindromische Kalendertag den Nagel auf den Kopf. Die symmetrophile Contenance zu bewahren, dürfte heuer jedem Hochpräzisiker und jeder Hochpräzisikerin äußerst schwer fallen. Wir alle sind – nicht zuletzt vor unserem eigenen Gewissen – mindestens dazu verpflichtet laut auszurufen: „Vorwärts immer, rückwärts immer!“ Was für eine Freude! Was für eine Wohltat! Was für ein unendlicher Glanz!

Auch das Ausland begrüßt diese Entwicklung mittlerweile vorbehaltlos in allen Landesgrenzen. Selbst die südlichen Nachbarn mit den weichen Käsekugeln haben sich mit dem Ritual abgefunden. Der wiedergewählte Staatspräsident Mattarella meint dazu knapp: „So sind sie eben.“ Schade nur, dass es danach eine Weile dauern wird, bis wir wieder mit langem Anlauf ausrasten dürfen: es wird der dritte März 2030 sein! Nicht wenige werden sich bis dahin vermutlich ihrer Alterskrassheit ergeben haben. Das ficht uns nicht an! Denn auch dann wird die tief verankerte Symmetrophilie unsere stolzen Herzen zum Überlaufen bringen. Wir können nicht anders.

In Freude, Vorfreude und in diesem Sinne,

Hinternfort

19. November [8]

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Weiter geht der wilde Ritt auf den Toilettenschüsseln dieses Erdenballs. Und weiter geht auch die Missachtung dieses höchsten Kulturgutes. Jean-Pierre Meunier hat seiner Meinung dazu Luft gemacht und schickt uns das Lichtbild einer Installation, die Bedeutung und Gewaltigkeit dieser unglaublichen Kulturleistung verdeutlichen soll. Kniet nieder! Werft euch in den Staub aus Haaren und Hautschuppen und verharrt in Ehrfurcht vor der größten aller Erfinungen: dem Wasserklosett.

Nach Jean-Pierre Meunier sollten wir uns nur aus dieser Perspektive und in Demut jedem Klosett nähern.

20. August 2021

(am Versagen versagt) Tag vor sechs Jahren, an dem wir beschlossen in drei Jahren hinternfort von unserer Kunst gelebt zu haben. Flatu verfernmündlichte Lenz und hatte ihm den Entschluss der Nacht mitgeteilt. Da dachte Lenz natürlich, dass das genau richtig gewesen sein sollte und dass das gefälligst auch so gemacht sein wird. Flatu war mit seiner Leistung sehr zufrieden, sotz sich hin und donk erstmal scharf nach. Lenz tat es ihm gleich. Beide schwuggen eine Weile in ihrer entgrenzten Genialität. Danach waren sie selbstredend und mit Anlauf gespannt auf den Tag vor drei Jahren gewesen, an dem sie hinternfort von ihrer Kunst gelebt haben sollten.

25. Mai [7]

Welttag des Handtuchs. Das Handtuch wurde im Original vor über drei Jahrtausenden zum ersten Mal vorgestellt, erlangte seine ganzheitliche Bedeutung aber erst 1978 in einer weitgehend unbekannten Radiosendung. Mit diesem epochemachenden Ereignis fand ein menschheitsgeschichtlicher Transformationsprozess statt, dessen Bedeutung noch nicht vollständig ausgelotet ist. Als gesichert gilt jedoch, dass dieser Prozess bis heute anhält. Jüngste Forschungen enthüllen, dass sich das auch auf mikroskopischer Ebene niederschlägt. Zart fransige Schlaufen winden sich entlang fein gewobener Borte. Das Frottee, ursprünglich im Nachbarsternensystem Proxima Centauri b entwickelt, wurde 1850 im nahen Orient entdeckt. Der britische Bankier und Handelsreisende Henry Christy fand einen großen Kasten inmitten einer kargen, unbesiedelten Landschaft. Vermutlich handelte es sich um den Teil einer Lieferung, die für einen andere Planeten bestimmt, aber „vom Laster gefallen“ war. So gelangte diese überirdische Handwerkskunst, deren Herz ein komplexer Herstellungsprozess mit mehreren Kettenfadensystemen ist, zu uns auf die Erde. Seitdem trägt die Menschheit stets Frotteehandtücher bei sich, denn ein Handtuch, sagt man, ist so ziemlich das Nützlichste, das ein Anhalter auf Weltraumreisen bei sich haben kann. Und sind wir nicht alle Weltraumreisende in unserem Raumschiff namens Sonnensystem?

Frottee in Blau. Aktuelle Makrofotografie (2021) eines Exponats aus der Sammlung Henry Christy, in der die ersten (außer)irdischen Frottees bis heute erhalten geblieben sind.

Zweiter NPK

Einundzwanzigster Februar Zweitausendeinunzwanzig bzw. 12.02.2021!

Mit Jubelgesang erheben wir uns aus den Tiefen der Schneeverwehungen. „N-P-K-2, N-P-K-2!“ schallt es von den Hügelkuppen herab. Die Menschen lachen und tanzen. Große Torten werden herumgereicht. Seit der Einführung des Nationalen Palindromischen Kalendertags durch den Bundespräsidenten, erfreut sich dieser Feiertag zunehmender Beliebtheit in der Bevölkerung. Eine Einrichtung, die man mittlerweile auch im europäischen Ausland schätzt und von der sogar schon in der New York Times berichtet wurde. In Großbritannien erwägt man bereits bei Hofe, wie sich aus dieser feinen, teutonischen Sitte eine eigene Tradition für das Vereinigte Königreich brauen lässt. Selbst in Down Under bewundern sie die seit jeher hochgeschätzten Deutschen. Nur unsere südlichen Nachbarn mit den vielen Expresso rümpfen die Nase über so viel Ausgelassenheit in germanischen Gefilden. „Das sei man von den generell eher unterkühlten Nachbarn einfach nicht gewohnt“, lässt sich Staatspräsident Mattarella vernehmen. Und: „Man prüfe noch, was man von dieser unerwartet reichhaltigen Entwicklung zu halten hat.“