Zerfließender Dauerlutscher

Vor vier Jahren betrachteten wir eine verendete Pressqualle, die in ihrer verwesenden Anmut kaum zu übertrumpfen war. Heute müssen wir uns mit einem roten Lollipop zufriedengeben, den ein wenig achtsamer Kindermund auf die Betonplatte spock. Halb aufgerichtet klebt der quitschlaschene Gock im Großstadtgewimmel und wird in etwa einer Stunde der zersetzenden Kraft des Restspeichels erlegen sein – der Autor hat das überprüft und nach dieser Zeitspanne nur noch ein Pfützchen mit Stiel vorgefunden.

Wenn der Nachbar sein gesamtes Staatsgebiet abriegelt

Hinternfort erklärt sich selbst zum Hilfsanker in Zeiten erblühender Sperrzonen. Sollten wir in naher Zukunft ebenfalls in unseren Behausungen auf uns selbst zurückgeworfen sein, öffnet sich das weite Internet für vielfältige Betrachtungen und fruchtbarster intellektueller Austausch wird rasch um sich greifen. Eine Tsunami gegenseitige Wertschätzung wird digital durch die globalen Wohnzimmer schwappen und Hass und Häme fortspülen. Die durch Quarantäne entkörperlichte Gemeinschaft wird sich als eins begreifen lernen. Freut Euch auf den Sommer, wenn wir allesamt wieder über saftig bunte Blumenwiesen tanzen können.

Ein brandneues Jahrzehnt

In der Ferne sind letzte Ausläufer der Silvesterekstase zu vernehmen. Immer wieder halten Explosiönchen die bösen Geister davon ab, über uns zu kommen. Man macht sich in der Abenddämmerung auf den Weg, Altglas zu entsorgen. Über den Köpfen kreisen und krächzen unzählige Krähenvögel, die ihre Schlafbäume ansteuern.
Eben nimmt man das einzige Braunglaus aus der Tüte. Es war Glühwein namens „Heißer Hirsch“ darin. Man erkennt, dass dieses Jahrzehnt viel Politisches bereithalten wird und fragt sich: Wer ist Waver Bof.? Darunter vermeldet STORCH Erstaunliches.

Kann das so weitergehen?

Unpersönliches aus dem eigenen Traumgeschehen

Am 20. Januar diesen Jahres ist Lenz in eine Welt hinabgestiegen, die sich während seines Schlafes in seinem Verstand zusammenfügte. Als Berater des Präsidenten Trump konnte er miterleben wie dieser eine furchtbare Angst vor Eichhörnchen entwickelte. Um der alles beherrschenden Misere Herr zu werden, unternahmen Lenz und der Präsident – selbstverständlich von allerlei Sicherheitspersonal begleitet – einen Ausflug zu einer abgelegenen Straße in einem Laubmischwald. Dort stießen sie auf ein reifengeplättetes Exemplar dieser furchteinflößenden Nager. Der Präsident war überglücklich. Endlich hatte ihm jemand die Verwundbarkeit des scheußlichsten aller Gegner vor Augen geführt. Sofort sollte das Tier vom Asphalt gekratzt und ins weiße Haus mitgenommen werden. Dort, in einer Vitrine an prominenter Stelle kryokonserviert, half es dem Präsidenten fortan die Angst vor der rötlichen Gefahr in den Griff zu bekommen.

(Lenz weist darauf hin, dass der 20. Januar Jahresjubiläum der Amtseinführung Trumps war. Man träumt schließlich nur politisch aktuell.)

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Verendete Pressqualle

QuallentodMagisch durchbricht das Licht die Reste dieses verendeten Lebewesens. Ein schimmernder Glaskörper vollendeten Leichentums. Stündest du für die Welt, kleinguschener Quallerich, wir würden glucksen vor Freude über dieses ach so vortreffliche Bild. Eine Welt ohne nesselnde Fangarme, eine Welt ganz reduziert auf ein wunderhübsch anzusehendes Verwesungsspektakel. Was für ein schöner Tag! Von nun an wird alles zu goldenem Getürm anschwellen und kein Vöglein wird sein glockiges Gebräuch mehr erheben mögen. Dort nicht und auch nicht über den Schaumkronen der Meere.