Am Lagerfeuer der Erwerbsarbeit wärmen

Der heutige Tag, ist der Arbeit gewidmet. Um sie zu ehren, sind alle Arbeitszwänge aufgehoben. Alle Arbeitszwänge? Nein. Die Arbeit an einem selbst, kann und darf niemals enden. Deswegen sind wir dazu eingeladen, uns im behaglichen Feuerschein der Erwerbsarbeit zu versammeln – der uns aus dem Gestern und Morgen anheimelnd anstrahlt – und dort in innerer Einkehr an uns selbst zu feilen. Ein Freund brachte das sehr schön auf den Punkt: „Wenn ich an mir selbst arbeite, geht das dann von meiner Arbeitszeit ab?“

Zweiter NPK

Einundzwanzigster Februar Zweitausendeinunzwanzig bzw. 12.02.2021!

Mit Jubelgesang erheben wir uns aus den Tiefen der Schneeverwehungen. „N-P-K-2, N-P-K-2!“ schallt es von den Hügelkuppen herab. Die Menschen lachen und tanzen. Große Torten werden herumgereicht. Seit der Einführung des Nationalen Palindromischen Kalendertags durch den Bundespräsidenten, erfreut sich dieser Feiertag zunehmender Beliebtheit in der Bevölkerung. Eine Einrichtung, die man mittlerweile auch im europäischen Ausland schätzt und von der sogar schon in der New York Times berichtet wurde. In Großbritannien erwägt man bereits bei Hofe, wie sich aus dieser feinen, teutonischen Sitte eine eigene Tradition für das Vereinigte Königreich brauen lässt. Selbst in Down Under bewundern sie die seit jeher hochgeschätzten Deutschen. Nur unsere südlichen Nachbarn mit den vielen Expresso rümpfen die Nase über so viel Ausgelassenheit in germanischen Gefilden. „Das sei man von den generell eher unterkühlten Nachbarn einfach nicht gewohnt“, lässt sich Staatspräsident Matarella vernehmen. Und: „Man prüfe noch, was man von dieser unerwartet reichhaltigen Entwicklung zu halten hat.“

19. November [7]

Nasszellenumbruch kurz vor der Vollendung.

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Der zwanzigste Welttoilettentag ist nun erreicht und noch immer herrschen global betrachtet schlimme Verhältnisse.
Die untertoilettisierte Nation weiß stets, was ihr fehlt, die Bewohner der übertoilettisierten Länder sind hingegen nicht in der Lage ihr Glück zu erkennen und es mit nassen Händen zu herzen und zu küssen.
In Industrieländern ist der Nasszellenumbruch gängige Praxis, stille Örtchen verschwinden, sobald sie der übersteigerten Effizienz im Wege stehen. Weiß erblühen Massen von Tiefspülern auf den Schutthalden der Megametropolen und Flachspüler stapeln sich bis zum Horizont. Nur die Scheiße ist gerecht verteilt …

Zerfließender Dauerlutscher

Vor vier Jahren betrachteten wir eine verendete Pressqualle, die in ihrer verwesenden Anmut kaum zu übertrumpfen war. Heute müssen wir uns mit einem roten Lollipop zufriedengeben, den ein wenig achtsamer Kindermund auf die Betonplatte spock. Halb aufgerichtet klebt der quitschlaschene Gock im Großstadtgewimmel und wird in etwa einer Stunde der zersetzenden Kraft des Restspeichels erlegen sein – der Autor hat das überprüft und nach dieser Zeitspanne nur noch ein Pfützchen mit Stiel vorgefunden.

Zehnter Zehnter Zwanzigzwanzig

Wir von hinternfort mögen Farben- … äh Zahlenspiele. Nach der diesjährigen Ausrufung des Palindromischen Kalendertags zum nationalen Feiertag, möchten wir heute einen weiteren Feiertag für die Symmetrophilen unter uns nachschieben.

Und was macht man an einem Feiertag? Man geht gut essen. Man gönnt sich etwas Außergewöhnliches! Wenn man in diesen Zeiten schon so wenige Momente an Orten des geselligen Beisammenseins bekommt, dann … ja, dann!

Aus den unbekannten Tiefen dieser Welt

Die wuchtige Eichhornfeste Wehrnusshausen, in der Paul Alfred Müller vermutlich bis heute festgehalten wird
Zum neuen Jahr erreicht uns das Foto eines kleinen zoologischen Leckerbissens von Paul Alfred Müller aus Rinteln. Es ist ihm in einer waghalsigen Nacht- und Nebelaktion gelungen zur legendären Eichhornfeste Wehrnusshausen vorzudringen, deren Existenz bisher reine Spekulations seitens einiger Privatgelehrter war. Dort kam es zu der sensationellen Aufnahme, kurz bevor unser geliebter Naturfotograf von den Betreibern der Anlage festgesetzt wurde. Seinem introvertierten, nagerähnlichen Praktikanten gelang mit dem fotografischen Nachweis im letzten Moment und schwer verletzt die Flucht. Von unserem einzigartigen Helden Paul Alfred Müller fehlt seitdem jegliche Spur. Hoffen wir, dass die Kultur der Hauseigentümer wirklich so hoch entwickelt ist wie er bis zuletzt behauptete.

25. Mai [4]

Welttag des Handtuchs. Zum vierten Mal grüßt Hinternfort alle Erdenbürger an diesem wunderbaren Feiertag (Zur Erinnerung: „Ein Handtuch, sagt man, ist so ziemlich das Nützlichste, das ein Anhalter auf Weltraumreisen bei sich tragen kann. Einmal ist es von großem praktischen Wert …“). Nachdem der Welthandtuchtag letztes Jahr mit dem Vatertag [3] zusammenfiel, und wir die Jahre zuvor bereits über Urban Towel Art [2] und Das Handtuch im Spiegel der Jahrhunderte berichteten, müssen wir uns heute einem weniger heiteren Thema zuwenden: den letzten noch wild lebenden Handtüchern dieser Erde.

Es ist kaum bekannt, dass die ersten Trocknungsutensilien (um 200 v. Chr.) nicht auf den umtriebigen Erfindergeist einiger indischer Gelehrter zurückgehen (wie es allgemeines Lehrbuchwissen immer wieder verbreitet), sondern dass sie vielmehr Auszüchtungen wild lebender Handtücher der Art Mantelum feroculus sind. Diese äußerst scheuen Lebewesen sind heute noch in einer abgelegenen Bergregion im indischen Bundesstaat Mizoram zu finden, ihre Ökologie und Entwicklungsgeschichte ist weitestgehend unerforscht.

Umso erstaunlicher, dass unser kühner Naturfotograf Paul Alfred Müller aus Rinteln (seine weltberühmten Aufnahmen von Pomunculus cariousus und Hyperchoros cyclopshelidans sind uns noch im Gedächtnis) auf einer Indienreise vollkommen überraschend auf eine Subpopulation von Mantelum feroculus stieß. Die Einwohner eines Bergdorfes offenbarten dem charmanten Weltenbummler ihr bestgehütetes Geheimnis: in unmittelbarer Umgebung der Ansiedlung sollte es eine halbwilde Form des Urhandtuchs geben. Und tatsächlich wurde der Abenteurer in einem abgelegenen Gemüsegarten fündig. Dort lag, völlig ungeschützt, ein frisch geschlüpftes Kükentuch, warmgehalten von einem Nest aus lockerem Gras. Ein Sensationsfund! Handtücher legen Eier und zählen offenbar zu den Bodenbrütern! Wer hätte das gedacht?!?

Halbwildes Tuchküken in lockerem Grasnest irgendwo im indischen Bundesstaat Mizoram. Foto mit freundlicher Genehmigung von Paul A. Müller.

So begann eine der erstaunlichsten Wochen im Leben des P. A. Müller. Hinternfort ist es gestattet ein erstes Bild zu veröffentlichen. Den gesamten Reisebericht wird unser unerschrockener Naturbeobachter am 30. Mai, um 20.00 Uhr in der Haarzopfer Kaue in Essen präsentieren. Interessierte sind herzlich eingeladen gegen einen kleinen Unkostenbeitrag dem Vortrag zu lauschen. Es sind weitere ökologische Leckereien angekündigt!