25. Mai [11]

Welttag des Handtuchs. Zwei Dinge zu Beginn: zum 25sten mal wird dieser Feiertag nun weltweit begangen und vor zehn Jahren konnte man ihn zum ersten Mal gemeinsam mit Hinternfort zelebrieren. Grund genug zum übertriebenen Abfeiern. Und wie könnte man das besser als mit einer Abschweifung! Wir blicken hinaus, über den Tellerrand der flauschigen Handtuchkante. Und wir sehen ein dem Handtuch zum verwechseln ähnliches Ding: flach, gemustert, stofflich … was mag das sein?

Dieses griffige Textil, aus Halbleinen oder Baumwolle gefertig, heißt Grubentuch und wird in einer Einheitsgröße von 100 cm x 50 cm hergestellt. Sein markantes blau-graues oder schwarz-graues Karomuster hilft dabei, etwaige Verschmutzung möglichst wirkmächtig zu verschleiern. Denn dort, wo das Grubentuch vor allem zum Einsatz kam, war das geboten. Das Grubentuch existierte über viele Jahrzehnte hinweg als treuer Begleiter des Bergmanns und stieg mit ihm morgens hinab und abends wieder hinauf. Zu Beginn der Schicht waren die Mahlzeiten in es eingewickelt, denn der dicht gewebte Stoff verhinderte das Eindringen von Kohlestaub und bot somit Schutz vor unschönen Überraschungen. Im Laufe des Tages dann und nach Verzehr der Mahlzeiten, wurde mit dem Tuch Schweiß und Kohlestaub aus dem Gesicht entfernt. Schließlich, zu Schichtende, konnte es dann dem Zwecke zugeführt werden, das es mit artverwandtem Textil teilt. Es wurde zum Abtrocknen verwendet. So war das früher.

Im Laufe der Jahre nun hat sich dieses erstaunliche Textil noch an anderer Stelle bewährt. Im Gastrogewerbe wird es aufgrund seiner Robustheit und schmutzverschleiernden Eigenschaften geschätzt und ist dort kaum noch wegzudenken. Da wir strammen Schrittes aus dem Zeitalter fossiler Energieträger hinausmarschieren und der Beruf des Bergmanns auf absehbare Zeit verschwinden dürfte, kann sich das Grubentuch an anderer Stelle verdingen. Ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten, das uns als Rudiment erhalten geblieben ist. So rufen wir ihm zu: Glück auf! und herzlichen Glückwunsch zu 25 x Handtuchtag!

Beiträge zum Handtuchtag aus dem vergangenen Jahrzehnt:

Kükentuch der Art Mantelum feroculus, der halbwilden Urform des Handtuchs

Toter Wal im Mangrovenwald: War es Zufall oder die Herz aus Gold?

Frottee in Blau. Wie dieses Textil von Proxima Centauri b zu uns kam

Sid-el-Tuh-e und die altägyptischen Baderiesen

19. November [10]

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Lang ist es her, dass die Zwerge edel verzierte Toiletten nutzten. Es muss zur Zeit der letzten Riesen gewesen sein. Heute begnügen sich auch diese kleinen Wesen mit herkömmlichem Porzellan. Der Grund für den Niedergang ihres Brauchtums bleibt im Nebel der vergangenen Jahrhunderte verborgen. Waren die einstmals ausgeschmückten Rückzugsorte der rektalen Erleichterung nicht wundersam von Zauberei beseelt? Spiegelte sich der Wert der Ausscheidung im Utensil wider? Andererseits, ist die Rückbesinnung auf längst vergangene Traditionen nicht ebenso gefährlich wie der unreflektierte Fortschrittsglaube? In der britischen Gegenwart verschwand unlängst eine 18-karätige Toilette aus dem Blenheim-Palast im Wert von etwa 1,1 Mio. Schweizer Franken. Vermutlich haben dieses Sitzmöbel die Zwerge schon längst eingeschmolzen und zu Blattgold verarbeitet. Es ist wohl für die Wiederbelebung einer längst vergessen geglaubten Tradition.

Der Stuhl für den Zwerg.

Wenn sich zwei halbe Seitlinge gegenseitig etwas vorsingen

Zu lange hat man aus dem fernen Frankreich nichts mehr gehört. Doch jetzt ist Jean-Paul Meunier mit einer spektakulären Kunstinstallation zurück. Er nennt sein Werk: Wenn sich zwei halbe Seitlinge gegenseitig Gute Nacht sagen.* Und er bezieht sich dabei explizit auf den Zustand der Welt. Selten konnte Hinternfort ein so ganzheitliches Werk dieses Ausnahmekünstlers präsentieren.

Der Urheber Jean-Pierre Meunier nennt diese bedeutungsgeladene Installation: Wenn sich zwei halbe Seitlinge griesgrämig unterhalten

*bei den verwfremdeten Pilzart handelt es sich um den Braunen Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii) aus der Familie der Seitlingsverwandten.

Am Lagerfeuer der Erwerbsarbeit wärmen

Der heutige Tag, ist der Arbeit gewidmet. Um sie zu ehren, sind alle Arbeitszwänge aufgehoben. Alle Arbeitszwänge? Nein. Die Arbeit an einem selbst, kann und darf niemals enden. Deswegen sind wir dazu eingeladen, uns im behaglichen Feuerschein der Erwerbsarbeit zu versammeln – der uns aus dem Gestern und Morgen anheimelnd anstrahlt – und dort in innerer Einkehr an uns selbst zu feilen. Ein Freund brachte das sehr schön auf den Punkt: „Wenn ich an mir selbst arbeite, geht das dann von meiner Arbeitszeit ab?“

Zweiter NPK

Einundzwanzigster Februar Zweitausendeinunzwanzig bzw. 12.02.2021!

Mit Jubelgesang erheben wir uns aus den Tiefen der Schneeverwehungen. „N-P-K-2, N-P-K-2!“ schallt es von den Hügelkuppen herab. Die Menschen lachen und tanzen. Große Torten werden herumgereicht. Seit der Einführung des Nationalen Palindromischen Kalendertags durch den Bundespräsidenten, erfreut sich dieser Feiertag zunehmender Beliebtheit in der Bevölkerung. Eine Einrichtung, die man mittlerweile auch im europäischen Ausland schätzt und von der sogar schon in der New York Times berichtet wurde. In Großbritannien erwägt man bereits bei Hofe, wie sich aus dieser feinen, teutonischen Sitte eine eigene Tradition für das Vereinigte Königreich brauen lässt. Selbst in Down Under bewundern sie die seit jeher hochgeschätzten Deutschen. Nur unsere südlichen Nachbarn mit den vielen Expresso rümpfen die Nase über so viel Ausgelassenheit in germanischen Gefilden. „Das sei man von den generell eher unterkühlten Nachbarn einfach nicht gewohnt“, lässt sich Staatspräsident Mattarella vernehmen. Und: „Man prüfe noch, was man von dieser unerwartet reichhaltigen Entwicklung zu halten hat.“

19. November [7]

Nasszellenumbruch kurz vor der Vollendung.

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Der zwanzigste Welttoilettentag ist nun erreicht und noch immer herrschen global betrachtet schlimme Verhältnisse.
Die untertoilettisierte Nation weiß stets, was ihr fehlt, die Bewohner der übertoilettisierten Länder sind hingegen nicht in der Lage ihr Glück zu erkennen und es mit nassen Händen zu herzen und zu küssen.
In Industrieländern ist der Nasszellenumbruch gängige Praxis, stille Örtchen verschwinden, sobald sie der übersteigerten Effizienz im Wege stehen. Weiß erblühen Massen von Tiefspülern auf den Schutthalden der Megametropolen und Flachspüler stapeln sich bis zum Horizont. Nur die Scheiße ist gerecht verteilt …

Zerfließender Dauerlutscher

Vor vier Jahren betrachteten wir eine verendete Pressqualle, die in ihrer verwesenden Anmut kaum zu übertrumpfen war. Heute müssen wir uns mit einem roten Lollipop zufriedengeben, den ein wenig achtsamer Kindermund auf die Betonplatte spock. Halb aufgerichtet klebt der quitschlaschene Gock im Großstadtgewimmel und wird in etwa einer Stunde der zersetzenden Kraft des Restspeichels erlegen sein – der Autor hat das überprüft und nach dieser Zeitspanne nur noch ein Pfützchen mit Stiel vorgefunden.