Botschaften im öffentlichen Raum

Nachdem Waver Bof. einem ungewissen Schicksal entgegeneilt, müssen wir einen Schritt zurücktreten, um zu analysieren wie wir uns dem Phänomen auf einer abstrakteren Ebene nähern können. Kleine Aufmerksamkeiten versüßen den Tag, dass weiß schon jedes Kind. Insofern ist es folgerichtig, diese möglichst prominent zu platzieren. Was aber geschieht mit der Botschaft Jahre später, wenn Sender und ursprüngliche adressierter Empfänger längst fortgezogen sind? Ist der erdachte Kurztext nachhaltig genug, um auch noch vielen folgenden Generationen hinternfort Sinn und Wohlgefallen zu schenken?

Ein anonymer Autor ringt nachhaltig um Aufmerksamkeit.

Verendete Pressqualle

QuallentodMagisch durchbricht das Licht die Reste dieses verendeten Lebewesens. Ein schimmernder Glaskörper vollendeten Leichentums. Stündest du für die Welt, kleinguschener Quallerich, wir würden glucksen vor Freude über dieses ach so vortreffliche Bild. Eine Welt ohne nesselnde Fangarme, eine Welt ganz reduziert auf ein wunderhübsch anzusehendes Verwesungsspektakel. Was für ein schöner Tag! Von nun an wird alles zu goldenem Getürm anschwellen und kein Vöglein wird sein glockiges Gebräuch mehr erheben mögen. Dort nicht und auch nicht über den Schaumkronen der Meere.

19. November [2]

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Wir treiben durch unruhiges Gewässer. Die Gischt spritzt hoch. Und doch ist da ein Stückchen Routine geblieben, das uns Halt geben kann. Es ist der Gang zur Nasszelle, Ort der inneren Einkehr. Er hilft uns beim gedanklichen Großreinemachen. Wir setzen uns, wir sortieren uns, wir kommen allmählich zur Ruhe.
Es ist gut.
Die Anspannung weicht, Demut erfüllt uns. Demut vor diesem kleinen, unscheinbaren Wunder der Zivilisation. Seien wir dankbar für jedes aufgeräumte Örtchen, das wir finden können. Es geht auch anders! Wir ahnen es bereits.

WTT2WC en perdition. (Bedrohtes Örtchen)
Installation von Jean-Pierre Meunier 2015.

19. November

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Heute ist der dreizehnte jemals auf diesem Erdenrund Begangene. Eine gute Zahl und ein guter Tag. Ein Tag der Freiheit, aber auch ein Tag der Nachdenklichkeiten. Die Welttoilettenorganisation – Dach nationaler Toilettenverbände mit Sitz in Singapur – bemüht sich dem weltweit grassierenden Mangel an einwandfreien Stillen Örtchen zu begegnen. Zu diesem Zweck werden alljährliche Welttoilettengipfeltreffen abgehalten und auch der Welttoilettentag wurde bei solch einer Gelegenheit aus der Taufe gehoben. Er soll die Menschen wachrütteln helfen.
Wir freuen uns und begrüßen solche Bemühungen aufs Ausdrücklichste! Denn wo, wenn nicht hier und wann, wenn nicht jetzt, sollte solch einem Vorstoß Vortrieb geleistet werden?
Geben Sie also diesem Tag einen würdigen Anstrich und besuchen Sie die Nasszelle Ihrer Wahl. Erledigen Sie, was Sie zu erledigen haben und seien Sie demütig und dankbar für eine derartig herausragende Grundversorgung in einem nahezu vollständig durchtoilettisierten Land. Beschenken Sie diesen Augenblick hinternfort mit folgender metrischer Rede!

Oh brauner Freund,
hab‘ ich Dich nun dem eig’nen Leibe abgerungen,
liegst Du gekrümmt in Deinem Wasserbett mit Fuß.
Wir lächeln selig, beide voll der Huldigungen,
und wohlbekannter Duft entrichtet mir den Gruß.

Ich drück‘ den Knopf und weißer Schlund verschlingt Dich lüstern,
ein Gurgeln ist Dein allerletztes Wort.
So gehst Du und was bleibt, ist leises Flüstern.
Oh Teil von mir, Du bist für immer fort!