Durch die Landschaft schweben

§ (1) Der in ein Flugzeug steigt, weiß nicht, was reisen ist. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck von den Begebenheiten an einem anderen Ort. Fliegen ist heute die unbequeme Vorform des Raumschlupfes.
§ (2) Der in ein Auto steigt, ahnt nicht, was reisen ist. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck von der Distanz zwischen zwei Orten. Es ist die bequeme Endform des Althergebrachten.
§ (3) Der auf ein Fahrrad steigt, schwebt durch die Landschaft. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck davon, was Distanz ist. Er weiß, was auf der Strecke lag.
§ (4) Der zu Fuß geht, weiß nicht, was Geschwindigkeit bedeutet. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck vom Wegesrand. Wenn ihm etwas Besonders auffällt, bückt er sich, um es genauer zu betrachten.

In Summe (5) Vor dem Buchdruck war der Kopist. Ein Fußgänger des Wortes. Ihm folgte der Radfahrer, ein Bücherwurm, ein regelrechter Druckblattzerkauer. Dann gebaren Fernsehen und Radio den behäbigen Bleifuß mit erhöhtem Unfallrisiko. Schließlich kam das digitale Netz. Ein einziger, weltumspannender, doch allzu oft unbehaglicher Endschlupf.