Archiv der Kategorie: Schmätz Wortgeprächt

Wörter, die man kennen sollte oder deren Unkenntnis strafbar für das Gehirn ist.

Lesen reicht nicht aus …

Die Kraft der Landstraße ist eine andere, ob einer sie geht oder im Aeroplan darüber hinfliegt. So ist auch die Kraft eines Textes eine andere, ob einer ihn liest oder abschreibt. Wer fliegt, sieht nur, wie sich die Straße durch die Landschaft schiebt, ihm rollt sie nach den gleichen Gesetzen ab wie das Terrain, das herum liegt. Nur, wer die Straße geht, erfährt von ihrer Herrschaft und wie aus eben jenem Gelände, das für den Flieger nur die aufgerollte Ebene ist, sie Fernen, Belvederes, Lichtungen, Prospekte mit jeder ihrer Wendungen so herauskommandiert, wie der Ruf des Befehlshabers Soldaten aus einer Front. So kommandiert allein der abgeschriebene Text die Seele dessen, der mit ihm beschäftigt ist, während der bloße Leser die neuen Ansichten seines Inneren nie kennenlernt, wie der Text, jene Straße durch den immer wieder sich verdichtenden inneren Urwald, sie bahnt: weil der Leser der Bewegung seines Ich im freien Luftbereich der Träumerei gehorcht, der Abschreiber sie aber kommandieren lässt. Das chinesische Bücherkopieren war daher die unvergleichliche Bürgschaft literarischer Kultur und die Abschrift ein Schlüssel zu Chinas Rätseln.

Aus: Walter Benjamin, Einbahnstraße.

Hitherforth XV.

vohShatter, it’s on!
unbrimmbeld Tusked my hearts Colossodon.
thy Monastery Flock unhumps.
so many a Bitter Revelation berunkels
thy Kin-Tree in Warden
since Swiftwatery Cliffs no coverich
at bronkal the hitherfull Jeskai Windscouts.
Disowned by my Ancestor he blimbels.
whilest Rush in Of minor a Battle begouts
in Bloodfire his Mentor gommpers hardest
for thotter Chief Of The Scale unwindsts
a witherfull sprouting Armament Corps.
wherast no Secret Plans might wonner her blisp.
so End Hostilities my margel cries.
but Forest in dwimbel modest much begoust!

Er ist’s – aufgeräumt

FffffffFrrrrrrrrrrrrüüüüühhhhhhHhHhhhhllllLlllLlllllliiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnnnnnnnnn
nnngggääßßttttttttttssSSsssssseeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeebBbbbbaaaaaaaaa
aauuuuuddddDddddDWwWcccccc;,,,,oooooooookkvVvv..mmmmm–!!!j’’

blaues Band - aufgeräumt

Durch die Landschaft schweben

§ (1) Der in ein Flugzeug steigt, weiß nicht, was reisen ist. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck von den Begebenheiten an einem anderen Ort. Fliegen ist heute die unbequeme Vorform des Raumschlupfes.
§ (2) Der in ein Auto steigt, ahnt nicht, was reisen ist. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck von der Distanz zwischen zwei Orten. Es ist die bequeme Endform des Althergebrachten.
§ (3) Der auf ein Fahrrad steigt, schwebt durch die Landschaft. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck davon, was Distanz ist. Er weiß, was auf der Strecke lag.
§ (4) Der zu Fuß geht, weiß nicht, was Geschwindigkeit bedeutet. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck vom Wegesrand. Wenn ihm etwas Besonders auffällt, bückt er sich, um es genauer zu betrachten.

In Summe (5) Vor dem Buchdruck war der Kopist. Ein Fußgänger des Wortes. Ihm folgte der Radfahrer, ein Bücherwurm, ein regelrechter Druckblattzerkauer. Dann gebaren Fernsehen und Radio den behäbigen Bleifuß mit erhöhtem Unfallrisiko. Schließlich kam das digitale Netz. Ein einziger, weltumspannender, doch allzu oft unbehaglicher Endschlupf.

Von all dem Knust

Ebergötzen. Am 2. April 2011 findet Lenz einen einzigartigen Gästebucheintrag.

BrotInFreiheit
Hinweisschild

Sehr geehrte Europäisches Brotmuseum.

Ich bin Japernerin.
Ich habe ins Brotmuseum am 1.12.2001 zweimal in Tag besucht.
Ich bin interessiere mich für Brot.
Ich war so glück, daß ich ins Museum gegangen. Weil gibt es wenig Brotmuseum in Deutschland (ich weiß es gibt in nur ULM und GÖTTINGEN).
Wenn ich ins Europäisches Brotmuseum gegangen, habe ich viel Sache gelernt! Danke schön!
Der Chef war so nett und viele Kinder haben Küchen gebacken.
Der Anblick war mit gute Eindruck gegeben.
Ich habe meinen Traum mich genähert.
Zukunft möchte ich Bäckerin werden.
In Göttingen gibt es viele nette Menschen.
Es ist mir wie eine Stadt von Traum.

Brotstempel
Brotstempel zur Vervielfältigung von Teigwaren

Ich bleibe bis halb August in Deutschland.
Jetzt ich studiere Germanistik in Halle Martin-Luther-Universität.
Ich möchte nicht nur Germanistik, sondern auch Brot studieren.

Wenn Sie andere Museum wissen, können wie mir lehren?

Wenn man Brot ißt, ist lächendes Gesicht so schön!

Herzliche Grüße,
Eriko Sato

Gästebucheintragsfragment
Fragment des Originaldokuments von 2001

DiverseBrote
Verschiedene Brote, z. B. Römisches Weihbrot aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. (linke, untere Ecke)

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Flatu Lenz gescholten hat, man könne die Veröffentlichung dieser wundervollen Brotmuseumshuldigung als Bloßstellung missverstehen. Nichts liegt Lenz ferner. Atmet nicht jedes Wort dieses Gästebucheintrags die von uns so hoch geachtete japanische Mentalität? Gibt es einen Teutonen der ähnlich Zauberhaftes in fremder Zunge hätte zustande bringen können? Wir denken nein. Und verneigen uns tief vor Eriko Sato. Sie hat uns in Ebergötzen ein vollendetes Kleinod hinterlassen!

Über das Janken

Ein aus dem Stehgreif gezaubertes Wort entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Fundgrube der Ausdrucksfreude. Der aus dem norddeutschen herrührende Begriff, der eine quietschend, winselnde Ausdrucksform umschreibt, ist wohl zu Unrecht unter Süddeutschen so unbekannt. Sätze wie, „Als ich ihn schlug, da jankte er auf’s gerate wohl heraus.“, oder „Geschlagene Hunde neigen zum janken!“ lassen erahnen welch mannigfaltige Einsatzgebiete diesem Kleinod der deutschen Sprache offen stehen. Auch „Janke nicht, wenn der Stiefel drückt.“ ist wohl viel zu selten aus süddeutschen Mündern erklungen. Am eindruckvollsten ist wohl aber der Vierzeiler des gänzlich unbekannten, nichtsdestotrotz absolut brillanten, norddeutschen Lebemannes Olaf Borke. Dieser eigensinnige, im kleinen Hechthausen ansässige Dichter überrascht mit Improvisationsvermögen gleichermaßen wie mit Originalität. Können ist eine seiner herausragendsten Eigenschaften. Hören sie an dieser Stelle nun also „Warum dann eigentlich janken?“ von Olaf Borke.

Oh, herrlich glitzernde Forsythie im Morgentau,
Du bist für mich wie das Jägerlatein des Lebens.
Und doch so gänzlich schöner als jeder andere Gelbflieder. Vollendet.
Warum dann eigentlich janken? Du Zierstrauch, Du.