Nachspeisenstratigraphie

Nach ein paar Gläsern Rotwein und nach gelungener Teilverspeisung eines recht eigensinnigen Gaumenkitzels, fiel es Flatu und Lenz wie Schuppen von den Augen. Einer solchen Schichtung muss im Laufe der Erdgeschichte Sonderbares wiederfahren sein. Nur was?
Nachspeisenstratigraphie
Die Platte bricht und kippt ab.
Soweit klar.
Doch dann? Wie kam die gut erkennbare, orthognole Verdriftung zustande?
Eine unbeteiligte Fußgängerin fand die enthusiastisch rätselnden Freizeitstratigraphen über ihr Studienobjekt gebeugt und lieferte auch prompt die richtige Antwort.

Erst Aufwölbung, dann Abbruch, mit anschließender Verdriftung.

Freude der Rätselnden gefolgt von überschwänglichem Gratulationismus. So knifflig kann Nachspeisenstratigraphie mitunter sein. Frauen wissen solch harte Nüssen sowieso und immer besser zu knacken. Wir dreibeinigen Herrscher in unserer unbekümmert weißlichen Selbstverliebheit müssen uns da gar nichts vormachen.

De nouveau bâtiment – pièce M

GlashausbüroWer sein Hirn nicht anständig mobliert, beleidigt jeden Gast. Wir alle kennen diese Binsenweisheit. Doch die tiefe Wahrheit dahinter wird uns erst dann vollends bewusst, wenn wir vor einem meisterlich moblierten Beispiel der Einrichtungskunst stehen. Dann müssen wir neidlos die geschmackvolle Raumdekorierung anerkennen und es uns achselzuckend auf dem roten Sofa mit der schmalen Gelbstreifung bequem machen. Hinternfort werden wir nun erwartungsfroh an unserem grünen Frotteehandtuch zuppeln.

Durch die Landschaft schweben

§ (1) Der in ein Flugzeug steigt, weiß nicht, was reisen ist. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck von den Begebenheiten an einem anderen Ort. Fliegen ist heute die unbequeme Vorform des Raumschlupfes.
§ (2) Der in ein Auto steigt, ahnt nicht, was reisen ist. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck von der Distanz zwischen zwei Orten. Es ist die bequeme Endform des Althergebrachten.
§ (3) Der auf ein Fahrrad steigt, schwebt durch die Landschaft. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck davon, was Distanz ist. Er weiß, was auf der Strecke lag.
§ (4) Der zu Fuß geht, weiß nicht, was Geschwindigkeit bedeutet. Allenfalls gewinnt er einen Eindruck vom Wegesrand. Wenn ihm etwas Besonders auffällt, bückt er sich, um es genauer zu betrachten.

In Summe (5) Vor dem Buchdruck war der Kopist. Ein Fußgänger des Wortes. Ihm folgte der Radfahrer, ein Bücherwurm, ein regelrechter Druckblattzerkauer. Dann gebaren Fernsehen und Radio den behäbigen Bleifuß mit erhöhtem Unfallrisiko. Schließlich kam das digitale Netz. Ein einziger, weltumspannender, doch allzu oft unbehaglicher Endschlupf.

Die Tage des andern Chief – III

Donnerstag 07.01.2016, 10:03 Uhr (Eine Falle für den Chief)

Der Chief saugt auf diese eintönig und grausam graue Art und Weise im Wohnzimmer herum. Es ist nur noch Routine, die Beziehung über die letzten Monate erkaltet. Selten schaue ich ihm bei der Arbeit zu. Meistens geschieht sein säuberliches Werk hinter verschlossenen Türen. So auch heute. Ach, da jault er! Hat er sich wieder verklemmt? Ich ziehe ihn missmutig hervor, doch er bekommt nicht einmal einen tadelnden Blick. Die Routine ist vollkommen und fehlerlos. Wie konnte es soweit kommen?

DerStaubDesChief

De nouveau bâtiment – pièce I

pièce I
Der Sortiergreifer dient dem routinierten Abbrucharbeiter als überdimensionierter Handersatz. Bisweilen grazil wird ein Gebäude einarmig zerpflückt. Tiefe Trauer befällt uns. Die Spuren der Vergangenheit erlöschen stetig unter Schutt und Motorengeheul. Neues wird daraus hervorgehen. Allerdings nur bis der Sortiergreifer das nächste Mal anrückt. Geschichte? Eine Illusion. Alles ist Moment.