19. November

Welttoilettentag der Vereinten Nationen. Heute ist der dreizehnte jemals auf diesem Erdenrund Begangene. Eine gute Zahl und ein guter Tag. Ein Tag der Freiheit, aber auch ein Tag der Nachdenklichkeiten. Die Welttoilettenorganisation – Dach nationaler Toilettenverbände mit Sitz in Singapur – bemüht sich dem weltweit grassierenden Mangel an einwandfreien Stillen Örtchen zu begegnen. Zu diesem Zweck werden alljährliche Welttoilettengipfeltreffen abgehalten und auch der Welttoilettentag wurde bei solch einer Gelegenheit aus der Taufe gehoben. Er soll die Menschen wachrütteln helfen.
Wir freuen uns und begrüßen solche Bemühungen aufs Ausdrücklichste! Denn wo, wenn nicht hier und wann, wenn nicht jetzt, sollte solch einem Vorstoß Vortrieb geleistet werden?
Geben Sie also diesem Tag einen würdigen Anstrich und besuchen Sie die Nasszelle Ihrer Wahl. Erledigen Sie, was Sie zu erledigen haben und seien Sie demütig und dankbar für eine derartig herausragende Grundversorgung in einem nahezu vollständig durchtoilettisierten Land. Beschenken Sie diesen Augenblick hinternfort mit folgender metrischer Rede!

Oh brauner Freund,
hab‘ ich Dich nun dem eig’nen Leibe abgerungen,
liegst Du gekrümmt in Deinem Wasserbett mit Fuß.
Wir lächeln selig, beide voll der Huldigungen,
und wohlbekannter Duft entrichtet mir den Gruß.

Ich drück‘ den Knopf und weißer Schlund verschlingt Dich lüstern,
ein Gurgeln ist Dein allerletztes Wort.
So gehst Du und was bleibt, ist leises Flüstern.
Oh Teil von mir, Du bist für immer fort!

Über das Janken

Ein aus dem Stehgreif gezaubertes Wort entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Fundgrube der Ausdrucksfreude. Der aus dem norddeutschen herrührende Begriff, der eine quietschend, winselnde Ausdrucksform umschreibt, ist wohl zu Unrecht unter Süddeutschen so unbekannt. Sätze wie, „Als ich ihn schlug, da jankte er auf’s gerate wohl heraus.“, oder „Geschlagene Hunde neigen zum janken!“ lassen erahnen welch mannigfaltige Einsatzgebiete diesem Kleinod der deutschen Sprache offen stehen. Auch „Janke nicht, wenn der Stiefel drückt.“ ist wohl viel zu selten aus süddeutschen Mündern erklungen. Am eindruckvollsten ist wohl aber der Vierzeiler des gänzlich unbekannten, nichtsdestotrotz absolut brillanten, norddeutschen Lebemannes Olaf Borke. Dieser eigensinnige, im kleinen Hechthausen ansässige Dichter überrascht mit Improvisationsvermögen gleichermaßen wie mit Originalität. Können ist eine seiner herausragendsten Eigenschaften. Hören sie an dieser Stelle nun also „Warum dann eigentlich janken?“ von Olaf Borke.

Oh, herrlich glitzernde Forsythie im Morgentau,
Du bist für mich wie das Jägerlatein des Lebens.
Und doch so gänzlich schöner als jeder andere Gelbflieder. Vollendet.
Warum dann eigentlich janken? Du Zierstrauch, Du.